Das gute alte Buch hat ausgedient ? (aus Heimatheft 2009)

Teuchern ist an vielen Stellen eine schmucke Stadt geworden. Wir haben neue Straßen, neue Parkplätze, ein neues Wohngebiet, das St. Georg Stift und ein Ärztehaus. Verloren haben wir dagegen auch vieles. Wir haben keinen Tanzsaal, kein Kino, keine Sekundarschule und nun keine Bibliothek mehr. Jahrhundertealte Traditionen sind verschwunden. Teuchern war in der Schulbildung in unserer Gegend ein Vorreiter auf allen Gebieten – heute können wir froh sein, dass wir noch eine Grundschule haben.

Nach der Schließung unserer Sekundarschule im Juli 2007, mussten wir im März diesen Jahres die Schließung unserer Bibliothek hinnehmen. Auch hier ging eine langjährige Tradition zu Ende. In der Schulchronik wird bereits im Jahre 1894, also vor 115 Jahren, eine Bücherei erwähnt. So heißt es: „Der freie Lehrerverein für Teuchern und Umgegend gründete mit Genehmigung der Regierung eine Volksbücherei, in dessen Vorstand der Rektor Sitz und Stimme hat. Er hat dafür zu sorgen, dass nur an Kinder Bücher ausgegeben werden, die in der Schule ihre Pflicht tun.“

„Am 29. und 30. Mai und am 1. Juni 1894 wurden von dem Kreisschulinspektor Superintendent Kabisch neunzehn Klassen revidiert, ...“ Danach „stellte (er) folgende Geschäftsanweisung auf, die von der Regierung genehmigt wurde:

19. Der Rektor ist ständiges Mitglied des Schulvorstandes und Leiter der Büchereien der Schule.“

Diese Bücherei befand sich in einem der Schulgebäude, in welchem Raum genau ist nicht bekannt.

Durch den Bau der „Neuen Schule“  1897 (siehe Heimatheft 2007, „Eine Ära geht zu Ende - Teil I) wurden zwar neue Klassenräume geschaffen, es mangelte aber an Nebenräumen wie Lehrerzimmer, Bücherei, Werkraum. Erst nach dem I. Weltkrieg „wurde durch abschneiden der langen Klassen eine Küche für die Schulspeisung, ein Büchereizimmer, ein Lehrerzimmer u.s.w. hergestellt.“ Die Bücherei, die bereits in der „Alten Schule“ existierte, blieb bestehen, denn 1922 wird in der Schulchronik folgendes erwähnt: „Ab 1. Dez. wurde Lehrer Beck die Vertretung der erledigten Stelle Riedel übertragen. Im Schulhause 1 wurde für Lehrer- und Rektorzimmer eine Lichtanlage eingerichtet. Es wurde auf Beschluss der Schuldeputation allgemein die ungeteilte Unterrichtszeit eingeführt. Um den Kindern, namentlich den ärmeren, Gelegenheit zu geben von der Schule Bücher zu entleihen, wurde eine Hilfsbücherei eingerichtet.“ Auch 1924 kann man über die Bücherei lesen: „Die Hilfsbücherei für arme Kinder wird weiter ausgebaut  und die Verteilung dem Konrektor übertragen. Er hat zu Anfang des Schuljahres jeweilig dem Magistrat die Verteilungsliste zur Genehmigung einzureichen.“ Außerdem kann man in der Chronik lesen, dass im Jahr 1924 jährlich 2500 M für Lehrmittel und Büchereien zur Verfügung gestellt wurden.

Nach dem II. Weltkrieg wurde die Schulbücherei von nazistischem und militärischem Schriftgut bereinigt und durch neue Literatur ersetzt.

1949 wurde das Filmtheater „Schauburg“ der MAS (Maschinen-Ausleih-Station) Teuchern übereignet. In den oberen Räumen entstanden Klubräume, wie ein Versammlungsraum, Spielraum und Lesezimmer. Der Landbevölkerung stand dort eine Bibliothek von rund 1000 Bänden zur Verfügung. Leiter der Bibliothek war Adolf Marbach (genannt „Kulturdackel“ – siehe Spitznamen Teil III – Heimatheft 2005). Er arbeitete beim Rat der Stadt und war dort u. a. auch für die Organisation des Parkfestes zuständig.

1956 erfolgte der erste Rückbau der Kulturräume zu Wohnungen. Und die Bibliothek zog um ins Rathaus, Erdgeschoss links, ein paar Stufen hoch (heutiges Trauzimmer). Nach der Pensionierung von Adolf Marbach übernahm Hildegard Harnau ca. 1960 die Bibliothek und führte sie bis ca. Juni 1965. Danach betreute sie ihr Enkelkind.  

Ihren Posten übernahm Anni Paprowski, die bis dahin Reinigungskraft im Rathaus war. Sie übte den Beruf der Bibliotheksleiterin bis zu ihrem Tode am 12. Juni 1982 aus. Im selben Jahr war die Bücherei oft geschlossen, da Frau Paprowski schwer krank war. Die Bibliothek musste aber schnellstens wieder besetzt werden und so stellte man am 1. August 1982 Karla Thieme als Bibliotheksleiterin ein. Mit ihr zusammen arbeiteten Ilse Heyland aus Krössuln und nur für ganz kurze Zeit Gisela Reichert. Am 7. November 1988 kam Frau Karin Dubilzick zur Verstärkung und als Frau Thieme am 31. Dezember 1991 in Rente ging, wurde Frau Dubilzick Leiterin der Stadtbibliothek Teuchern.

In den letzten Apriltagen des Jahres 1991 erfolgte die Fertigstellung und die Eröffnung der neuen Stadtbibliothek im hinteren Gebäude Markt 7 (ehemalige Käserei Herz, später Konsumbäckerei). Die freundlich und großzügig eingerichteten Räume schufen wesentlich bessere Bedingungen für Mitarbeiter und Bücherfreunde. Die Eröffnung gestalteten Schüler der Ernst-Thälmann- und der Karl-Liebknecht-Oberschule. Die Schriftstellerin Dorothea Iser stellte in einer Lesung ihr neues Buch „Besuchszeit“ vor. 1992 erhielt die Stadtverwaltung 159.100 DM Fördermittel vom Land für die Bibliothek. Mit diesem Geld konnte die Innenausstattung wesentlich erweitert sowie eine Stereoanlage, ein Kopiergerät, eine Schreibmaschine, Bücher, Kassetten und CD´s gekauft werden. 1994 wurden Bücher im Wert von 2.500 DM gekauft und 25.000 Ausleihen verzeichnet. Es wurden 24 Lesungen und vorrangig für Schulkinder Bibliotheksführungen durchgeführt. 1995 hatte die Bibliothek laut Statistik 547 eingetragene Leser, wobei 1994 202 hinzugekommen waren. Am 25. Juni 1997 fand eine Buchlesung mit dem MDR-Literaturpreisträger Wilhelm Bartsch statt. Weitere Autoren, die in Teuchern Lesungen durchführten waren: Elke Domhardt, Harald Korall, Rudolf Drößler, Gudrun Billowie, Wolfgang Rüb, Hiltrud Schrade, Herta Brandl und viele andere.

In den Jahren nach der Wende wurde Frau Dubilzick unterstützt durch ABM-Kräfte: Ingrid Röhr, Maritta Lehmann, Roswitha Wiebach, Heidi Lätsch, Hannelore Böttcher, Brigitte Wolf sowie von „1€-Jobern“: Grit Näther und Martina Nowak (heute Nürnberger).

Im Februar 2005 wurde die Bibliothek in das Gebäude der ehemaligen RTS (LPG) am RTS-Platz verlegt, in dem sich bereits die Awo und der Jugendclub befanden. Rund 9000 Bücher mussten verpackt werden sowie CD´s, Kassetten, Videos und Zeitschriften. Am 1. März war dann Wiedereröffnung. Die Bevölkerung von Teuchern hatte wahrscheinlich regelrecht darauf gewartet, denn gleich in der ersten Woche kam es zu 400 Entleihungen.

Buchlesungen konnten in den kleinen Räumen nicht durchgeführt werden und außerdem war dafür auch kein Geld mehr da. Frau Dubilzick führte selbst in Kindergärten, Schulen und Seniorenheimen Lesungen durch und wandte sich auch an den Heimatverein. Gemeinsam wurden zwei Buchlesungen im Ratssaal organisiert: 2006 mit Rudolf Drößler und 2007 mit Annette Hildebrandt.

In den letzten Jahren nahmen die Besucherzahlen drastisch ab. Ob es nun an dem doch etwas abgelegenen Standort der Bibliothek, den eingeführten Lesergebühren oder den immer mehr reduzierten Öffnungszeiten lag oder an allem zusammen, kann man nur vermuten. Sicherlich hat die Lesefreudigkeit bei den Kindern auch nachgelassen, die sitzen lieber am Computer oder vorm Fernseher. Spekulieren hat keinen Sinn, die Stadträte beschlossen die Schließung der Stadtbibliothek und so musste Frau Dubilzick am 31. März 2009 die Tür zur Stadtbücherei für immer abschließen.

Zwei Mitglieder vom Heimatverein Teuchern Frau Irmtraud Persich und Frau Grit Näther halten nun an zwei Tagen in der Woche die Bibliothek ehrenamtlich geöffnet.