Berühmte Teucherner Musiker


Zur Erinnerung an die Barockkomponisten  

Reinhard Keiser (1674 - 1732 ) , Johann Christian Schieferdecker (1679 - 1732 ) , Johann David Heinichen ( 1683 - 1729 ) , Johann Friedrich Fasch ( 1688 - 1758 )


Geburtshaus Reinhard Keisers Keiser Gedenkstätte Innenraum

Das Geburtshaus  des Komponisten mit der Reinhard Keiser Gedenkstätte befindet sich in Teuchern am Marktplatz gegenüber dem Rathaus. 


Die Kleinstadt Teuchern bei Weißenfels spielte gegen Ende des 17. Jahrhunderts eine für das Musikleben erstaunliche Rolle. Drei bedeutende Komponisten aus der Zeit von Bach, Händel und Telemann kamen an diesem Ort zur Welt.


Reinhard Keiser, 1674 in Teuchern geboren, erlangte als Hauptkomponist an der renommierten Hamburger Gänsemarktoper Weltruhm. Christian Schieferdecker, Sohn eines Teucherner Organisten und Schulrektors, übernahm in Lübeck das Amt des hochgeachteten Friedrich Buxtehude an der dortigen Marienkirche. Der in Krössuln bei Teuchern geborene Johann David Heinichen errang als Kapellmeister von August dem Starken überregionalen Ruf. Doch damit nicht genug: auch in der Biographie des Zerbster Hofkapellmeisters Johann Friedrich Fasch erscheint der Name der Kleinstadt Teuchern. Fasch verbrachte hier eine kurze Zeit seiner Kindheit, bevor er seine musikalische Laufbahn am Weißenfelser Hof begann. Noch heute besteht das Geburtshaus von Reinhard Keiser am Markt 9, wenn auch nicht mehr ganz in seiner ursprünglichen Gestalt. Ein Zimmer jenes Gebäudes erinnert an Teucherns bedeutendsten Sohn sowie auch an die anderen genannten Komponisten. Anhand von Schautafeln vermag der Besucher wichtige Lebensstationen Keisers nachzuvollziehen, per Tonband erklingen dessen Meisterwerke. Wer sich eingehender informieren möchte, sei herzlich eingeladen, sich mit einer Fülle von vorhandenen Publikationen, Partituren usw. zu beschäftigen. Ganz zu Unrecht gehört der Name Keisers heute zu den weniger bekannten Begriffen der Musikgeschichte. Zu seinen Lebzeiten war dies nicht der Fall: Zeitgenossen schätzten ihn als einen der wichtigsten Komponisten überhaupt. 1745 vertrat Johann Adolph Scheibe die Meinung, daß Keiser neben Kuhnau, Händel und Telemann zu denjenigen Personen zu zählen sei, "mit welchem unser Vaterland den Ausländern Trutz bieten kann".


Während der letzten zweihundert Jahre geriet sein Werk in Vergessenheit. Seit jüngster Zeit beschäftigen sich nicht nur Musikwissenschaftler wieder zunehmend mit Keiser, sondern es erklingen auch seine Opern sowie seine kirchen- und kammermusikalischen Stücke immer öfter in Theatern und Konzerthäusern. Reinhard Keiser verbrachte seine Kindheit in Teuchern, bevor er sich 1685 an der Leipziger Thomasschule immatrikulieren ließ. Hier sorgten so namhafte Persönlichkeiten wie Johann Schelle und Johann Kuhnau für seine umfangreiche musikalische Ausbildung. 1694 bekam Keiser eine feste Anstellung am Braunschweiger Hof und ließ hier wie auch in Hamburg sehr erfolgreich seine ersten Opern inszenieren. Von maßgeblicher Bedeutung wurde der folgende Lebensabschnitt: Von 1697-1717 wirkte Reinhard Keiser als Hauptkomponist an der Hamburger Oper am Gänsemarkt. Er schuf in dieser überaus produktiven Zeit bis zu vier Bühnenwerke im Jahr, von denen viele auf enorme Publikumsresonanz stießen.


Die Gänsemarktoper der Freien Reichs- und Hansestadt Hamburg existierte als Privatunternehmen von 1678 bis 1738 und gehörte zu den wichtigsten Musikzentren Europas. Zahlreiche namhafte Musiker wie auch Händel und Telemann wirkten an dieser Stätte. Erstmals pflegte man hier in großem Stil die deutsche Sprache als künstlerisches Ausdrucksmittel. Ein Bankrott der Hamburger Oper im Jahre 1717 veranlaßte Keiser, sich anderweitig nach einer Anstellung umzusehen. Doch alle Versuche schlugen fehl, weder an den Höfen von Gotha, Eisenach und Stuttgart noch am Opernhaus von Kopenhagen bot man ihm ein sicheres Einkommen. 1723 kehrte Keiser endgültig nach Hamburg zurück. Hier wirkte indessen mit sehr großem Erfolg Georg Philipp Telemann, so daß es für Keiser schwer wurde, erneut Fuß zu fassen. 1728 berief man ihn schließlich in das Amt des Domkantors von Hamburg. Von nun an komponierte Keiser vermehrt kirchenmusikalische Werke. Er verblieb bis zu seinem Tode in seiner Wahlheimat Hamburg. Die überragende Größe von Reinhard Keiser drückt sich zweifellos maßgeblich in seinen Opernkompositionen aus. Mit Werken wie "Masaniello furioso", "Tomyris" oder "Croesus" sicherte er sich großen Ruhm. Seine Orchestertechnik galt als beispiellos, sein Melodienreichtum schien unerschöpflich. Mit sicherem Gespür verband er italienische, deutsche und französische Stilelemente. Die besondere Ausdruckskraft zahlreicher Arien, seine Fähigkeit, die verschiedensten Stimmungen von Tragik bis Komik einfühlsam zu gestalten, belegen Keisers souveränen Umgang mit den musikalischen Mitteln seiner Zeit.