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Die
Kleinstadt Teuchern bei Weißenfels
spielte gegen Ende des 17. Jahrhunderts eine für das Musikleben
erstaunliche Rolle. Drei bedeutende Komponisten aus der Zeit von Bach, Händel
und Telemann kamen an diesem Ort zur Welt.
Reinhard
Keiser, 1674 in Teuchern geboren, erlangte
als Hauptkomponist an der renommierten Hamburger Gänsemarktoper
Weltruhm. Christian Schieferdecker, Sohn eines Teucherner
Organisten und Schulrektors, übernahm in Lübeck das Amt des
hochgeachteten Friedrich Buxtehude an der
dortigen Marienkirche. Der in Krössuln
bei Teuchern geborene Johann David Heinichen errang als Kapellmeister
von August dem Starken überregionalen Ruf. Doch damit nicht genug: auch
in der Biographie des Zerbster
Hofkapellmeisters Johann Friedrich Fasch erscheint der Name der
Kleinstadt Teuchern. Fasch verbrachte hier eine kurze Zeit seiner
Kindheit, bevor er seine musikalische Laufbahn am Weißenfelser
Hof begann. Noch heute besteht das Geburtshaus von Reinhard Keiser am
Markt 9, wenn auch nicht mehr ganz in seiner ursprünglichen Gestalt.
Ein Zimmer jenes Gebäudes erinnert an Teucherns
bedeutendsten Sohn sowie auch an die anderen genannten Komponisten.
Anhand von Schautafeln vermag der Besucher wichtige Lebensstationen Keisers
nachzuvollziehen, per Tonband erklingen dessen Meisterwerke. Wer sich
eingehender informieren möchte, sei herzlich eingeladen, sich mit einer
Fülle von vorhandenen Publikationen, Partituren usw. zu beschäftigen.
Ganz zu Unrecht gehört der Name Keisers heute zu den weniger bekannten
Begriffen der Musikgeschichte. Zu seinen Lebzeiten war dies nicht der
Fall: Zeitgenossen schätzten ihn als einen der wichtigsten Komponisten
überhaupt. 1745 vertrat Johann Adolph Scheibe die Meinung, daß Keiser
neben Kuhnau, Händel und Telemann zu denjenigen Personen zu zählen
sei, "mit welchem unser Vaterland den Ausländern Trutz bieten
kann".
Während
der letzten zweihundert Jahre geriet sein Werk in Vergessenheit. Seit jüngster
Zeit beschäftigen sich nicht nur Musikwissenschaftler wieder zunehmend
mit Keiser, sondern es erklingen auch seine Opern sowie seine kirchen-
und kammermusikalischen Stücke immer öfter in Theatern und Konzerthäusern.
Reinhard Keiser verbrachte seine Kindheit in Teuchern, bevor er sich
1685 an der Leipziger Thomasschule immatrikulieren ließ. Hier sorgten
so namhafte Persönlichkeiten wie Johann Schelle und Johann Kuhnau für
seine umfangreiche musikalische Ausbildung. 1694 bekam Keiser eine feste
Anstellung am Braunschweiger Hof und ließ hier wie auch in Hamburg sehr
erfolgreich seine ersten Opern inszenieren. Von maßgeblicher Bedeutung
wurde der folgende Lebensabschnitt: Von 1697-1717 wirkte Reinhard Keiser
als Hauptkomponist an der Hamburger Oper am Gänsemarkt. Er schuf in
dieser überaus produktiven Zeit bis zu vier Bühnenwerke im Jahr, von
denen viele auf enorme Publikumsresonanz stießen.
Die
Gänsemarktoper der Freien Reichs- und Hansestadt Hamburg existierte als
Privatunternehmen von 1678 bis 1738 und gehörte zu den wichtigsten
Musikzentren Europas. Zahlreiche namhafte Musiker wie auch Händel und
Telemann wirkten an dieser Stätte. Erstmals pflegte man hier in großem
Stil die deutsche Sprache als künstlerisches Ausdrucksmittel. Ein
Bankrott der Hamburger Oper im Jahre 1717 veranlaßte Keiser, sich
anderweitig nach einer Anstellung umzusehen. Doch alle Versuche schlugen
fehl, weder an den Höfen von Gotha, Eisenach und Stuttgart noch am
Opernhaus von Kopenhagen bot man ihm ein sicheres Einkommen. 1723 kehrte
Keiser endgültig nach Hamburg zurück. Hier wirkte indessen mit sehr
großem Erfolg Georg Philipp Telemann, so daß es für Keiser schwer
wurde, erneut Fuß zu fassen. 1728 berief man ihn schließlich in das
Amt des Domkantors von Hamburg. Von nun an komponierte Keiser vermehrt
kirchenmusikalische Werke. Er verblieb bis zu seinem Tode in seiner
Wahlheimat Hamburg. Die überragende Größe von Reinhard Keiser drückt
sich zweifellos maßgeblich in seinen Opernkompositionen aus. Mit Werken
wie "Masaniello furioso", "Tomyris" oder "Croesus"
sicherte er sich großen Ruhm. Seine Orchestertechnik galt als
beispiellos, sein Melodienreichtum schien unerschöpflich. Mit sicherem
Gespür verband er italienische, deutsche und französische
Stilelemente. Die besondere Ausdruckskraft zahlreicher Arien, seine Fähigkeit,
die verschiedensten Stimmungen von Tragik bis Komik einfühlsam zu
gestalten, belegen Keisers souveränen Umgang mit den musikalischen
Mitteln seiner Zeit.
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