Von Bünau, von Berlepsch und von alten Steinen

Eine kurze Geschichte der Kirche „St.Georg“ in Teuchern.

Zusammengetragen und aufgeschrieben von Thomas Müller.


Eine Kirche mit ihrer weithin sichtbaren Spitze zeugte damals und auch noch heute vom Wohlstand und Segen eines Ortes.

Der Kirchbau in Teuchern ist auf Grund seines erhöhten Standortes und seines Alters ein geschichtliches Baudenkmal und eigentlich das markanteste Wahrzeichen der Stadt Teuchern.

Der nachfolgende Text soll ein kleiner Überblick über die Geschichte unseres Gotteshauses und die darin befindlichen Besonderheiten sein.

Als wichtigste Quelle der Kirchengeschichte sind die beiden Bücher „Aus Teucherns Vergangenheit“ und „Aus der Chronik von Teuchern“ von F.A.Voigt zu nennen aus welchem viele Texte teilweise unverändert übernommen wurden.

Besonderen Dank gilt auch Prof.Dr.Günther von Bünau, dem Familienoberhaupt der Bünaus, welcher mir durch viele Informationen zur Teucherner Linie der Bünaus half, etwas Licht in das Dunkel über die sechs Standbilder in der Kirche zu bringen.

Als Grund für diesen Text möchte ich noch einen anderen nennen.

Als ich bei meinen Recherchen zu diesen Beitrag einen alten Teucherner fragte über was ich schreiben könnte, bekam ich als Antwort: „Schreiwe doch ewwer die vunn Binau, vunn Bärlepsch unn ewwer die alten Steene in dor Kärche“.

Bei vielen älteren Teuchernern sind die Namen Bünau und Berlepsch noch geläufig, waren sie doch einmal die „Herren von Teuchern“.

Die Kirche in Teuchern in ihrer jetzigen Form ist 1610-1611 unter dem damaligen Patron Heinrich von Berlepsch neu erbaut worden. Teile der alten Kirche, welche an derselben Stelle gestanden hat, wurden in den Bau mit einbezogen. So wahrscheinlich auch der Turm an der Nordseite. Aus der alten Kirche wurden auch der Taufstein von 1542 und die Standbilder der Familie von Bünau übernommen.

Im Frühjahr 1610 wurde mit dem Bau begonnen und im Herbst des folgenden Jahres dürfte derselbe im wesentlichen beendet gewesen sein, da im Jahre 1611 zwei neue Glocken für die Kirche gegossen worden sind. Die Vollendung des inneren Ausbaues hat sich noch bis 1634 verzögert. Die Kirche wurde im Spätgotischen Baustil erbaut. Sie ähnelt in ihrem Aussehen der Kirche in Seebach, des Geburtsortes Heinrich von Berlepschs.

Über die Höhe der Kosten, welche der Kirchenbau verursachte, ist nichts bekannt da die „Baurechnungen, was die erbaute Kirche alhier gekostet“, welche sich nach Pfarrer Johannes Amthor´s Inventarienverzeichnis noch 1617 in einem Schrank in der Sakristei befanden, nicht mehr vorhanden sind. Langenkamp beziffert in seiner „Geschichte der Stadt Teuchern und Umgegend“  die Gesamtbaukosten auf 5780 Gulden, 14 Groschen und 1 Heller.

Die innere Ausschmückung der neuen Kirche war eine sehr würdige. Die teuersten und wertvollsten Gegenstände waren Geschenke der Patronatsherrschaft.

Ursprünglich war die Kirche mit zwei Türmen versehen, einem Nördlichen und einem Westlichen. Auf dem Nördlichen, noch jetzt vorhandenen, befand sich die Turmuhr nebst einer Glocke, auf welcher die Uhr die Stunden schlug. Auf dem Westlichen, weit stärkeren, hingen die vier Kirchenglocken, eine Hauptzierde des schönen Gotteshauses.

Am 16. April 1650 gegen Abend erhob sich ein orkanähnlicher Sturm, der überall die größten Verwüstungen anrichtete. In Teuchern stürzte er den starken westlichen Kirchturm um, der im fallen das Schulhaus, einen Teil der Pfarrgebäude und das Kirchendach zertrümmerte.

Die Bruchstücke der drei zerschlagenen Glocken wurden bis in den Steinweg hineingeschleudert, nur eine Glocke blieb unversehrt. Es war dies ein harter Schlag für die durch den 30jährigen Krieg fast ganz verarmte Gemeinde, die nicht einmal die Kosten für die Wiederinstandsetzung der Pfarr- und Schulgebäude aufbringen konnte. An einen Wiederaufbau des Turmes war unter solchen Umständen nicht zu denken.

Zehn Jahre nach Einsturz des Turmes wurde die Kirche dreimal kurz nach einander, abermals durch Sturmwind, schwer beschädigt.

Sturm schreibt in seiner „Kleinen Chronik der Stadt Weißenfels“ hierüber: „Ein fürchterlicher Orkan wüthete am 9.October, entdachte Häuser und Scheunen, stürzte Häuser über den Haufen und entwurzelte Tausende von Bäumen; zu Teuchern wurden Rathaus, Pfarre, Kirche, Schule und viele andere Gebäude über den Haufen gestürzt. Leute, welche sich im Freien befanden, wurden von den Winde fortgerissen, stellenweise viele Schritte weit fortgetragen und oft bewusstlos zu Boden geschleudert“.

Das ist allerdings etwas übertrieben, so schlimm waren die angerichteten Verwüstungen keineswegs. Die völlige Wiederherstellung der Kirche ging sehr langsam von statten und zog sich bis zum Jahre 1665 hin.

Fünf lange Jahre stand die Kirche ungedeckt, allen Einflüssen der Witterung preisgegeben. Das der ganze Bau unter solchen Umständen schwer geschädigt wurde, liegt auf der Hand, und es lässt sich kaum begreifen, wie es möglich war, dass eine ganze Kirchfahrt so lange ihre eigenen Interessen in so unverantwortlicher Weise vernachlässigen konnte. Hieraus sieht man, wie tief die Wunden waren, die der 30jährige Krieg den Leuten geschlagen hatte, und wie schwer sie vernarbten.

Eine größere Reparatur des Kirchendaches machte sich 1704 wieder nötig. Im Jahre 1715 erfolgte abermals eine große Reparatur der Kirche, einschließlich des alten Turmes.

Eine ebenfalls bedeutende Reparatur muss 1750 stattgefunden haben, denn laut Kirchenrechnung wurde vom Konsistorium eine größere Summe aus den Kirchenvermögen bewilligt. Vielleicht ist damals die steinerne Wölbung im Innern der Kirche abgetragen und an deren Stelle eine flache Holzdecke gesetzt worden.

Im Jahre 1754 wurde der Altar und eine Kanzel eingebaut und 1788 eine neue Orgel mit 24 Registern.

An derselben Stelle, wo 1650 der westliche Turm gestanden hat, finden wir später das von Funke`sche Familien-Erbbegräbnis. Wann und von wem es erbaut wurde, lässt sich nicht mehr sagen. Möglich, dass es mehrere Jahre nach Einsturz des Turmes von der Kirchfahrt zu anderen Zwecke erbaut worden ist, denn die Herren von Berlepsch, welche bis 1717 das hiesige Rittergut besaßen, konnten, da sie bereits im Besitz eines Familien-Erbbegräbnisses in der Kirche waren, unmöglich ein Interesse an der Erbauung einer solchen Familiengruft gehabt haben. Es kann auch sein, dass es erst unter dem späteren Besitzer des Rittergutes Teuchern angelegt worden ist. Sicher ist nur das es 1717 bereits vorhanden war und in demselben Jahre zum ersten Male in Gebrauch genommen wurde.

Da dieses Erbbegräbnis im Laufe der Zeit reparaturbedürftig geworden war, die hiesige Kirchengemeinde sich aber nicht zur Instandhaltung eines fremden Erbbegräbnisses verpflichtet hielt, so stellte 1874 der Gemeindekirchenrat dem Herrn Hans von Funke, früheren Besitzer des hiesigen Rittergutes, die Alternative, entweder die Kosten der Reparatur zu übernehmen oder zu gestatten, dass das ganze Erbbegräbnis abgebrochen und die in demselben befindlichen Särge dem Schoß der Erde übergeben würden. Am 13.Oktober 1875 wurden die vier vorhandenen Särge bestattet.

Während der Sommermonate des Jahres 1876 wurde die ehemalige Familiengruft von der Westseite her mit einem Eingang versehen und in eine Vorhalle zum Schiff der Kirche umgewandelt.

Der nördliche Kirchturm, welcher heute noch steht, war nach zahlreichen Reparaturen in der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts, schließlich so baufällig geworden, das sein Einsturz täglich zu befürchten war. Wohl oder übel sah man sich daher zu einem Neubau, wenigstens des oberen Turmteiles genötigt. Am 17.August 1840 fing man an, die alte morsche Ruine bis auf das Mauerwerk abzutragen, und schon am 8.November des selben Jahres war der neue Turm soweit vollendet, das Nachmittags zwischen 2 und 3 Uhr der Turmknopf aufgesetzt werden konnte. Welche Urkunden, Notizen oder Münzen bei dieser Gelegenheit in den Turmknopf gelegt worden sind, sollte man erst 160 Jahre später erfahren, als der Turmknopf im Rahmen der umfangreichen Sanierung der Kirche am 5.Oktober 2000 abgenommen wurde und im Pfarrhaus geöffnet und untersucht wurde. Ich kann mich glücklich schätzen bei diesem Ereignis dabei gewesen zu sein. Es war schon ein bewegender Augenblick als die alten Papiere der versiegelten Glasflasche entnommen wurden und nach so langer Zeit erstmals wieder von Menschen gelesen wurden. Es waren Aufzeichnungen vom damaligen Pfarrer Wiedemann. Er schilderte in einem langen Brief die damalige Zeit. Beigelegt war auch eine gedruckte Meldung über den Tod von Friedrich Wilhelm III. im Jahre 1840 sowie dessen letzter Wille, der aus dem Jahre 1827 stammte.

Doch versetzen wir uns wieder zurück zum Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts.

Im Jahre 1902 wurden die Gänge in der Kirche mit Straßburger Platten belegt und die nachfolgenden Jahre weitere Reparaturarbeiten und Ausbesserungen durchgeführt. Mit Beginn des ersten Weltkrieges wurden für Kriegsanleihen das Messingtaufbecken, Orgelpfeifen und die Glocken, bis auf die kleinste, abgeliefert. Als dann endlich im Jahre 1939 zwei neue Bronzeglocken die Gemeinde mit ihrem vollen Geläut erfreuten, musste man sich nach Ausbruch des zweiten Weltkrieges  wieder mit dem Geläut der kleinen Glocke begnügen.

Im Jahre 1959 berieten die Mitglieder des Kirchenrates über einen möglichen Einbau von drei Glocken aus der Gutskirche Langendorf, welche durch Kriegseinwirkung nicht mehr benutzt wurde. Nach Verhandlungen mit dem dortigen Gemeindekirchenrat und nach Freigabe durch das Evangelische Konsistorium zu Magdeburg, konnten dann die drei Glocken für die Gemeinde käuflich erworben werden. Die Glockenweihe fand am 3.Mai 1959 durch Propst Müller aus Naumburg statt. Die Glocken befinden sich in dem Glockenhaus auf dem Glockenberg.

Auch in den 60`er und 70`er Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts wurden immer wieder Reparaturarbeiten an der Kirche durchgeführt. Es war ein fast aussichtsloser Kampf gegen den Verfall, welcher nur durch die Hilfe und Opferbereitschaft der Kirchengemeinde, insbesondere des Gemeindekirchenrates, aufgehalten wurde. Fast schien es so, das 40 Jahre „real existierender Sozialismus“ das Gotteshaus zum Einsturz gebracht hätten.

Nach der Wiedervereinigung beider deutscher Staaten im Jahre 1990 ging es auch in Teuchern an die Instandsetzung der Kirche. Es wurde der Förderverein „Sankt Georg“ zur Rettung der Kirche in Teuchern gegründet.

Die Gründungsversammlung des Fördervereins fand am 15.November 1994 im Gemeindehaus statt und am 29.März 1995 wurde der Verein beim Amtsgericht Weißenfels eingetragen.

Jeder Einwohner von Teuchern kann sich von dem mühen aller Beteiligten um den Erhalt des Hauses und seiner Besonderheiten selbst ein Bild machen.

Auf einige dieser Besonderheiten möchte ich nun eingehen. Betritt man den Kirchberg über die steinerne Treppe vom Steinweg her, fällt einem zuerst eine kleine Tür mit eisernen Beschlägen auf. Sie stammt aus dem 17. Jahrhundert und alle Teile dieser Tür werden nur von den Beschlägen zusammengehalten.

Wenden wir uns nun nach rechts, so sehen wir ein Denkmal, welches einen betenden Soldaten darstellt. Es wurde im Jahre 1930 errichtet und gedenkt der Gefallenen des Krieges von 1914/18. Das vom Bildhauer Gärtitz aus Teuchern geschaffene Denkmal trägt die schlichte Inschrift: „Unseren treuen Toten 1914 – 1918“ und darunter das Bibelwort: „Niemand hat größere Liebe, denn der, dass er sein Leben lasset für seine Freunde“.

Lenken wir nun unsere Schritte an dem ehemaligen Eingang zur Vorhalle vorbei, kommen wir zur Südseite der Kirche und das erste was uns auffällt sind die alten Grabsteine, welche vereinzelt auf der Wiese stehen. Es sind Reste des ehemaligen Friedhofes, der sich einstmals auf dem Kirchberg befand.

Dieser Friedhof, der den rings um die Kirche liegenden Raum eingenommen hatte, war über zweihundert Jahre ohne irgend welche Umfriedung. Grauenhafte Schilderungen, über den Zustand des Friedhofes, sind aus der Zeit des 30 jährigen Krieges überliefert.

Er war damals Tummelplatz der frei umherlaufenden Haustiere, die dabei die größten Verwüstungen anrichteten. 

Noch drastischer schilderte der Rektor Andreas Crusius die Zustände des Friedhofes in einem Brief des Jahres 1646, in dem er schreibt, die Gräber würden „ von den Schweinen aufgewühlt und unzeitige Geburten, welche von den Eltern selbst vergraben worden – doch nicht tief genug – herausgewühlt und gefressen“.

Es waren zu den verschiedensten Zeiten Anstrengungen gemacht worden, den Gottesacker mit einer Umfriedung zu versehen, doch scheiterte es stets an der großen Zahl der eingepfarrten Ortschaften, die schwer unter einen Hut zu bringen waren. Erst im Jahre 1873 wurde der Friedhof mit einer Weißdornhecke umgeben.

Als sich mit Beginn der Braunkohlenindustrie die Einwohnerzahl der Stadt Teuchern erheblich vergrößerte sah man sich genötigt einen neuen Friedhof anzulegen, an einer Stelle, wo wir ihn noch heute finden.

Doch zurück zu unserem kleinen Rundgang über den Kirchberg.

Rechts vor uns liegt nun der Glockenberg mit dem Glockenhaus. Es ist ein Hügel von etwa 16 m Höhe und 26 m im Durchmesser. Dieser von der Natur gebildete Bergkegel, war früher bedeutend kleiner und an der nördlichen Seite wurde vielfach bessernd nachgeholfen. Wann dies aber geschehen ist, lässt sich nicht sagen. Es wurden beim Anlegen des Erbbegräbnisses und bei der Verlegung des seitlichen Aufganges ein buntes Gemenge von Bauschutt, Asche, Erde, Steinen, Topfscherben, alten Eisenteilen und allerhand Handwerkszeug gefunden.

Dr. Riecke, der 1867 Nachgrabungen am Fuße des Glockenberges machte, hielt die Funde von Asche, Knochenresten, Scherben u.s.w. für den Beweis, dass dieser Hügel lange Zeit als Wohnplatz für Menschen gedient habe und beschreibt dies in seinem 1868 erschienenen Buch „Die Urbewohner und Alterthümer Deutschlands“.

Auf dem Glockenberg neben dem Glockenhaus steht noch der „Schillerstein“ und an der Rückseite des Hügels auf einer kleinen Wiese, die Reste des Kriegerdenkmals aus dem Jahre 1868, welches einstmals den Marktplatz in Teuchern schmückte.

An der Außenwand des Kirchturms fällt uns noch ein Grabstein auf, worauf das Bild eines Geistlichen abgebildet ist. Die Inschrift ist schon viele Jahre unleserlich, so das nicht mehr festgestellt werden kann um wen es sich handelt.

Sieht man am Kirchturm nach oben so erblickt man die Kirchturmuhr. Die beiden Zifferblätter sind mit ihren blau und goldenen Farben von einem Relief umgeben auf dem Steinmetzzeichen und die Jahreszahl 1612 zu sehen sind. Die Kirchturmuhr wurde seit der Errichtung der Kirche viele Male repariert und das Uhrwerk mehrmals ausgetauscht. So im Jahre 1725 durch den fürstlich sächsischen Hofuhrmacher Andreas Dantz aus Weißenfels und im Jahre 1864 von den Gebrüder Kersten aus Dürrenberg. In einem Inventarienverzeichnis von 1617 wurde auch eine Glocke mit angegeben auf welcher die Stunde schlug. Die lateinische Inschrift dieser Glocke erlaubt Rückschlüsse auf die Erbauer der Kirche und lautet in deutscher Übersetzung:

„Im Jahre Christi 1611 haben der edle und sehr gestrenge Heinrich von Berlepsch, Patron von Teuchern, und die übrigen Glieder der Parochie dieses heilige Haus aufgerichtet zur Ehre Gottes, zum Gedächtnis der Nachwelt und zum Zeugnis ihres Glaubens, ihrer Liebe und ihrer Frömmigkeit, aus Pflichtgefühl und aus dem Drange ihres Herzens, weil sie es für nötig fanden und Verlangen danach trugen – ein Werk des Baumeisters Leonhard Alichius aus Langensalza.“

An dieser Stelle kommen wir nicht umhin uns etwas näher mit der Familie von Berlepsch zu befassen.

Die von Berlepsch sind ein uradeliges, ursprünglich niedersächsisches, seit dem 14.Jahrhundert auch hessisches Geschlecht. Der älteste urkundlich erwähnte Vorfahr ist Konrad der Ältere (gest. vor 1271). Namensgebend war eine Burg Berlevessen (Berlissen) bei Göttingen. Nach der Zerstörung dieser Burg im Jahre 1369 ging der Name Berlevs oder Berleps auf eine neu erbaute Burg bei Witzenhausen in Hessen über, gleichzeitig erwarben die Berlepsch, nunmehr der althessischen Ritterschaft angehörig, das Amt des hessischen Erbkämmerers, das seit dieser Zeit von einem Berlepsch wahrgenommen wird.

Als Wappen führt die noch heute blühende Familie fünf grüne Sittiche im goldenen Schild. Dieses Wappen ist in der Teucherner Kirche gleich zweifach zu sehen. Auf dem Dachboden der Kirche sieht man einen großen Triumphbogen mit sehr reichem Dekor, dessen Schlussstein das Wappen der Berlepsch ziert. Ursprünglich war die Kirche gewölbt, was dieser Spitzbogen unter dem Dach und die wuchtigen Strebepfeiler zwischen Schiff und Altarraum beweisen. Das Tonnengewölbe wurde später durch eine horizontale Decke ersetzt.

Eine andere Abbildung des Wappens von Berlepsch befindet sich in der „Herrschaftsloge“ und zeigt auf einem buntgemalten Wappenschild allerlei Waffen des 17.Jahrhunderts und die Ahnenwappen der Familie von Berlepsch.

Dieses Wappen befand sich früher über der Kanzel im Altarraum gegenüber der Herrschaftsloge.

Die Geschichte der Teucherner Linie von Berlepsch möchte ich beginnen mit Hans von Berlepsch (ca.1488 – 1533).

Hans von Berlepsch war Amtmann und Schlosshauptmann auf der Wartburg. Er bewachte und betreute in den Jahren 1521 und 1522 den Reformator Martin Luther, mit dem ihm bald eine Freundschaft verband. Im Jahre 1522/23 erwarb er das Ritter- und Klostergut Seebach bei Mühlhausen. Sohn des Hans von Berlepsch und dessen Nachfolger auf Seebach war Caspar von Berlepsch. Er hatte sieben Söhne von denen der im Jahre 1564 geborene Heinrich von Berlepsch das zum Verkauf stehende Rittergut Teuchern erwarb.

Die Berlepsch waren Rittergutsbesitzer in Teuchern bis zum Jahre 1717. Heinrich von Berlepsch war am Aufbau der Kirche maßgeblich beteiligt. Obwohl er ein reicher Mann war, hinterließ er, als er 1625 starb, dennoch ansehnliche Schulden, woran teils auch der 30jährige Krieg schuld war.

Von Heinrichs vier Söhnen war einer schon vor ihm zu Leipzig gestorben, die übrigen drei Brüder Kaspar, Hans und Heinz Otto kamen 1628 über eine Teilung ihres väterlichen Nachlasses überein.

Kaspar erhielt den Besitz von Teuchern. Besonders schwer lastete auf ihm der unselige Krieg und um sein Leben zu fristen, wurde er Kornett in einem sächsischen Reiterregiment und brachte Jahre im Feldlager zu, seine Familie mit sich führend. Erst der Friede führte ihn wieder zurück nach Teuchern. Hoch verschuldet starb er am 15. Juni 1654 und das Gut Teuchern ging an seinen Sohn Kaspar Adam über.

Die Verhältnisse seines Vaters hatten es nicht gestattet, ihm eine besondere Erziehung zu geben. Er wurde in Merseburg Jagdjunker, blieb aber im Hause seines Vaters in Teuchern.

Er heiratete eine wohlhabende Frau und erbte 1657 halb Seebach und Naundorf und 1671 die andere Hälfte von Seebach nebst Henningsleben. Diese Güter befanden sich aber meist in der Hand von Gläubigern. Seine Lage war jedenfalls am Anfang verzweifelt. Die väterlichen Schulden betrugen 40000 Gulden, die Wiederherstellung von Gebäuden in Teuchern und Naundorf erforderte große Summen, die Mutter und die beiden Töchter beanspruchten ihren Unterhalt und die Sicherung der Aussteuer.

Teuchern und Vorwerk Lagnitz hatte er 1671 auf sechs Jahre verpachtet. Er verlegte seinen Sitz nach Seebach und verwaltete von da aus seine Güter. Als er sich wegen der Erneuerung des Lehns des Gutes Seebach am Mainzer Hofe aufhielt und diese auch durchsetzte, ernannte ihn der Kurfürst bei dieser Gelegenheit zu seinem Kammerjunker. Darauf trat er in münsterische Kriegsdienste als Hauptmann einer Kompanie. Zwanzig Jahre später ging auch das Erbkämmerersamt auf ihn über. Er starb beinahe 82 Jahre alt an Entkräftung im Jahre 1706. Obwohl ihm aus zwei Ehen neun Söhne und drei Töchter geboren wurden, überlebte ihn von diesen Kindern doch nur ein Sohn.

In seinem letzten Willen setzte er seinen noch lebenden Sohn Hartmann und die Söhne seines verstorbenen Sohnes Heinrich zu gleichen Anteilen als Erben ein. Die beiden Söhne Heinrichs hießen Otto Heinrich und Kaspar, jenem viel Teuchern, diesem Henningsleben zu.

So wurde Otto Heinrich der neue Rittergutsbesitzer von Teuchern. Er studierte von 1702 bis 1706 Jura in Halle und wurde 1709 Amthauptmann in Leipzig. Er erbaute 1713 das jetzt noch stehende Gutshaus im Park (Ärztehaus) und hatte sich dadurch finanziell gänzlich übernommen. Um sich von seinen vielen Schulden zu retten, verkaufte er 1717 das Gut Teuchern für 75000 meißnische Gulden an den Kammerherrn von Lohse.

Nach Abzug aller Schulden kaufte Otto Heinrich von Berlepsch das kleinere Gut Gröbitz im Amte Weißenfels und begründete somit die Linie von Gröbitz der Berlepsch.

Doch zurück zur Kirche. Betreten wir nun das Innere der Kirche. Der Innenraum gliedert sich in das eigentliche Schiff und den Altarraum, welcher leicht erhöht und vom Schiff durch ein hölzernes Geländer getrennt ist. Der Altar unserer Kirche wurde 1754 von dem Bildhauer Andreas Kraft aus Dorndorf erbaut und ist aus Holz gefertigt. Die Kanzel im südlichen Teil des Altarraumes ist massiv aus Sandstein gebaut und 1762 beschafft worden. Gegenüber der Kanzel befindet sich die sogenannte „Herrschaftsloge“. Es ist ein prächtiger Aufbau aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts in dessen Innern sich ein Kamin aus Sandstein befindet.

Ein besonderes Kleinod der Kirche ist auch der Taufstein aus dem Jahre 1542. Man hatte ihn nicht zu schätzen gewusst und durch einen im Jahre 1755 verfertigten Taufstein ersetzt. Erst im Jahre 1928 wurde er dann wieder aufgefrischt und an Stelle des bisherigen einförmigen Taufsteins in Gebrauch genommen. Es ist ein achtseitiger aus Sandstein hergestellter Taufstein welcher aus der alten Kirche mit übernommen wurde. Im unteren Teil zeigt er neben der Jahreszahl 1542 einen Engelreigen und im oberen achtseitigen Teil folgende Szenen: Verkündigung, Begegnung der Frauen, Anbetung, Beschneidung, Anbetung der Könige, Darstellung im Tempel, Flucht nach Ägypten, Taufe im Jordan.

An der südlichen Wand des Kirchenschiffes befinden sich die sogenannten „Bünauschen Steine“. Hierbei handelt es sich um sechs Sandsteinplatten welche aus der alten Kirche mit übernommen wurden.

Die Bünaus sind ein sehr altes Adelsgeschlecht. Ihnen gehörte das Gut Teuchern noch vor der Familie Berlepsch. Sie werden in Verbindung mit Teuchern seit 1329 bis zum Jahre 1588 genannt. Die Teucherner Linie beginnt, bezogen auf die erste urkundliche Erwähnung eines Bünau im Jahre 1166, in der 7.Generation mit Rudolf jun.von Bünau (geb. um 1270). Die Grabsteine zeigen Mitglieder der Familie von Bünau der 11. und 12.Generation. Verschiedene, immer wieder voneinander abweichende Veröffentlichungen, über die darauf abgebildeten Personen, führten zu einen Durcheinander, das ich nun versuche etwas zu ordnen. Zu diesen Durcheinander trug auch eine Eigenart der Bünauschen Namensgebung bei. Seit 1517 gibt es eine Erbeinigung, die besagt das Söhnen nur einer der drei Namen Rudolf, Heinrich oder Günther gegeben werden darf. In der heutigen Zeit ist diese Regelung erleichtert worden, so dass es heute erlaubt ist auch einen Zweitnamen zu führen.

Hier nun eine Beschreibung der Steine von links (1.Stein) nach rechts (6.Stein). Nachfolgende Angaben beziehen sich auf eine Ausarbeitung, die Heinrich von Bünau aus Warendorf in den Jahren 1990/91 über die Senioren der Bünau-Familie zusammengestellt hat, sowie auf eine Abstammungstafel nach Fischer. Selbst hier differieren einige Zahlenangaben, was aber nicht von Belang ist. Alle Grabsteine zeigen das Wappen der Familie Bünau, was siegelmäßig (seitenverkehrt) abgebildet ist.

Der erste Stein stellt einen Geistlichen in vorgerücktem Lebensalter, mit gutmütigem aber derben Gesichtszügen dar. Er trägt eine Kutte und eine niedere unbeschirmte Mütze unter der seitlich das langgelockte Haar hervorquillt und hält in beiden Händen ein Gebetbuch. Das über seinem Haupt angebrachte Wappen zeigt einen Schlüssel und ein Schwert und  kennzeichnet diesen als Naumburgischen Domkapitular. Dieser Verstorbene ist der Naumburger Domdechant Günther von Bünau (1519-1547).

Der zweite Stein stellt einen geharnischten, jedoch barhäuptigen Ritter von untersetzter Gestalt im hohen Alter dar. Die Linke fasst in Hüfthöhe die Parierstange des Schwertes, während die Rechte auf dem Streithammer ruht. Bei dieser Figur  handelt es sich um den Besitzer des Rittergutes Gröbitz, Rudolf von Bünau, der aus dem Hause Teuchern war. Er wurde 1539 in Gröbitz von einen Erker erschlagen.

Noch ziemlich wohlerhalten ist der dritte Stein. Ein geharnischter ebenfalls barhäuptiger Ritter mit langen Vollbart, stützt seine Rechte auf das Schwert. In seiner Linken hält er  die über die Schulter gelegte Streitaxt. Der Turnierhelm steht dicht neben dem Bünauschen Wappen. Dieser Stein ist dem am 28.Oktober 1533 verstorbenen Besitzer des Teucherner Rittergutes Günther von Bünau  gewidmet.

Er war Herr auf Teuchern, Gröbitz, Schieben und Rudelsburg, Herzoglich Sächsischer Amtmann, von 1512-1516 Mitglied des Reichsrates von Nürnberg und des Oberhofgerichts zu Augsburg, Kanzler des Bischofs von Naumburg und er begleitete 1518 den Herzog Georg von Sachsen zum Reichstag von Augsburg.

Er ist der Vater der Personen auf den anderen Steinen.

Sehr stark beschädigt ist der vierte Stein, der einen geharnischten Ritter im mittleren Lebensalter darstellt. Auch hier sind Schwert und Streithammer vorhanden. Über dem Haupte des Ritters ist eine aus dem Wolkenhimmel herausschauende Engelschar sichtbar. Dieser Grabstein gilt Heinrich von Bünau (1501-1536), Herr auf Rudelsburg und Kreipitzsch, Herzoglich Sächsischer Rat und Amtmann zu Quedlinburg.

Ganz anderer Art ist die Darstellung auf dem fünften Steine. In der linken oberen Ecke befindet sich ein kleines Kruzifix, dessen langer schmaler Stamm bis zum Grunde des Steines herabreicht und in seiner unteren Hälfte durch das Bünausche Wappen verdeckt wird. Vor diesem Kruzifix kniet betend ein geharnischter Ritter mit lockigem Haar und kurzem Vollbart. Am linken Oberarm trägt er eine eiserne Schelle, von welcher aus eine Kette bis zum Halse hinausreicht. An seiner Hüfte hängt ein kurzer, in der Scheide steckender Dolch. Das Schwert, in derselben Gestalt wie die vorher beschriebene, ist schräg an den Kreuzesstamm gestellt. Zu Füßen des Ritters lehnt die kurzstielige  Hellebarde. Es ist Heinrich der Jüngere von Bünau (1505-1543), Herr auf Crölpa und Thierbach im Kreis Weißenfels.

Am schlechtesten erhalten ist der sechste Stein. Er stellt eine kniende Nonne dar, die mit erhobenen Händen zu einem in der linken Ecke des Steines dargestellten Wolkenhimmel emporblickt, aus dem Engelsköpfe herausschauen. Das Haupt der Nonne ist von einer Kapuze bedeckt und Hals und Kinn werden von einem faltenreichen Tuche verhüllt, so das von dem ganzen Gesicht nur Nase, Mund und Augen frei bleiben. Das schlichte Kleid ist ohne Gürtel und der vorn offenstehende Mantel vollendet den Anzug. Es handelt sich um Brigitta von Bünau (gest.1547), Nonne im Kloster Lausnitz, später Gemahlin von Pfarrer Friedrich Wolschendorf und erste evangelische Pfarrfrau zu Teuchern. Leider sind die Inschriften der Grabsteine nur noch teilweise vorhanden, so das eine Wiedergabe derselben nicht am Platze ist.

An dieser Stelle möchte ich abbrechen, obwohl die Kirche in Teuchern noch viele kleine und große Besonderheiten zu zeigen hat. Zu nennen wäre da z.B. noch die Kirchenorgel.

Bei all den Beschreibungen der Geschichte und des Aussehens der Kirche sollte doch eins nicht vergessen werden. Eine Kirche wurde nicht erbaut um als Baudenkmal erhalten zu werden, sondern um die Menschen zusammenzubringen. Es sind die Menschen, welche die Kirche mit Leben erfüllen, ihre Schicksale, ihre Wünsche und ihr Glaube. Eine Kirche ohne Menschen, ohne die Gottesdienste und ohne das Leben einer Kirchengemeinde ist nur eine leere Hülle, unvollkommen und kalt.

Ich wünsche mir zum Abschluss, das noch viele Menschen die Stufen zur Kirche hinauf gehen, um sie zu besuchen, neu zu entdecken oder nur um einen Blick vom Glockenberg über unsere schöne Stadt zu werfen.


QUELLENANGABEN:

-Langenkamp, Die Geschichte der Stadt Teuchern und Umgegend

-Voigt, Chronik von Teuchern

-Voigt, Aus Teucherns Vergangenheit

-Böcher, Martin Luther und Hans von Berlepsch

-Private Aufzeichnungen der Familien Bünau und Berlepsch