Der Burghügel – Legende und Wirklichkeit !

von Thomas Müller


Der Burghügel kurz vor seiner Abtragung


In der Nähe von Teuchern in Richtung Gröben gab es in früheren Zeiten einen Erdhügel welcher von allen nur der Burghügel genannt wurde. Im  Gelände hob er sich als ein von einem tiefen , gut erhaltenen Graben umschlossenen Kegelstumpf klar ab. Die Hänge waren mit Sträuchern bewachsen . Am Graben und ebenso auf dem Plateau standen mittelstarke Bäume. Die Tiefe des Grabens betrug ca. 2-4 m, die Höhe des Hügels etwa 10 m , der Plateaudurchmesser etwa 17-20 m. Um den Burghügel ranken sich zwei Sagen , die sogenannte Schäfersage „ Der Schäfer von Deuben“ und „ Die Sage vom Burghügel“.

Die Schäfersage erzählt folgendes : „ Es war vor langer Zeit , da wohnte ein Schäfer in Deuben welcher seine Herden auf den umliegenden Wiesen weidete. Eines Tages trieb er seine Schafe auch in die Nähe des Burghügels. Als er so am Hügel saß , seine Schafe hütete und sich die Zeit mit stricken vertrieb , bemerkte er plötzlich einen Gang , welcher in den Hügel hineinführte. Er schaute gar wunderlich drein , denn der Gang war vorher nicht dagewesen. Doch was war das. Aus dem Gang kam eine fremde Frau mit einer weißen Kuh und sprach zu Ihm:“Höre , wenn Du meine Kuh mit hütest , werde ich es Dir lohnen. Aber rede mit niemandem darüber!“ Der Schäfer versprach es und als er am nächsten Tag wiederkam fand er ein Goldstück auf einen Stein , gerade dort , wo er gestern den Gang gesehen hatte. Jeden Morgen fand er ein neues Goldstück worüber er sich jedesmal freute. So hatte seine Not bald ein Ende und mit der weißen Kuh gedieh auch seine Herde trefflich. Im Wirtshaus wunderten sich die anderen , woher er das viele Geld hatte. Als sie ihm mal wieder drängelten , konnte er sich’s nicht verkneifen , darüber zu reden und er prahlte zuletzt im Suff mit seinem Geheimnis. Als er am anderen Morgen seine Herde wieder zum Burghügel trieb , lag kein Gold mehr auf den Stein und die Frau mit der weißen Kuh war auch nicht da. Er ärgerte sich darüber , das er seinen Mund nicht gehalten hatte und wollte an der Stelle nachgraben , wo der Stein lag , um den Gang zu suchen. Darauf starb in der folgenden Nacht sein bestes Tier. Er versuchte es noch einige Male , doch verlor er nach und nach seine ganze Herde und starb zuletzt als armer Mann.“

Dann hört man auch oft von dem unterirdischen Gang erzählen, der nach Teuchern führen soll, denn der Burghügel gehörte früher zum dortigen Rittergute. Solche Gangsagen sind landläufig und geben der Heimatforschung immer wichtige Hinweise wegen der früheren Besitzzugehörigkeit. So auch hier. Aber da ist noch eine Geschichte, deren Sinn noch tiefer liegt. Wenn nämlich am Burghügel ein Spatenstich getan wurde, soll auf dem damaligen Teuchernschen Rittergute jedesmal ein Stück Vieh umgekommen sein.

Darüber wußte die Sage folgendes: „ Um bessere Felder zu gewinnen, wollte man einst den Burghügel abtragen. Aber da starb am selben Tage auf der Gutsweide das beste Rind, dem vorher gar nichts gefehlt hatte. Als am andern Tage am Hügel weitergegraben wurde, fiel wieder ein gutes Tier tot um, das vorher ebenfalls ganz gesund war. Der grauhaarige Hirte kannte die alte Mär und sagte, daß sich die Zwerge und Burggeister dafür rächen, weil der Rittergutsbesitzer ihren Wohnsitz zerftören wollte. Der lachte zuerst darüber und ließ weitermachen, und wieder verendete eine gute Kuh. Obgleich er immer noch nicht an die Geschichte des Hirten glauben wollte, lies er das Graben einstellen. Da hörte auch das Viehsterben auf , als man aber nach einer Weile weitergrub , da begann es von neuem. Nun wurde ihm unheimlich zumute , und er ließ den Burghügel fortan in Ruhe. Seitdem ist ihm auch kein Leid wieder geschehen. Das soll aber schon sehr lange her sein.

Der Volksmund hat sie mit der Zeit in ein buntes Gewand gehüllt, doch ihr Sinn spiegelt ein Bild gesellschaftlicher Verhältnisse unserer Heimat von vor rund 1000 Jahren wieder. Der Burghügel war ein Sicherheitsposten in frühmittelalterlicher Zeit und hatte zwei Straßen zu überwachen, die sich hier kreuzten. Sie sind durch den Kohlenbergbau längst eingezogen worden, aber auf den alten Landkarten mit dem Burghügel noch verzeichnet. Eine von diesen Straßen war die alte Salzstraße, die von Halle und Merseburg-Weißenfels über Teuchern nach Zeitz führte und weiter in das salzarme Böhmen. Die andere ging bei Camburg über die Saale und lief über Osterfeld und an Teuchern vorbei Richtung Groitzsch nach Osten. Für die Sicherheit dieser alten Reichsstraßen waren die Ritter dem Kaiser  verantwortlich. Das war allerdings zu einer Zeit, als Kaiser und Herzöge noch wirkliche Volksführer waren und die Ritter die Besten ihrer Gefolgsmänner.

Für das Hüten der Kuh bekam der Schäfer (Volksführer oder Burgenvorsteher werden in Sagen und Märchen meist als Schäfer oder Hirten bezeichnet) laufend seinen Lohn. Dafür aber, daß er das Vertrauen der Burgfrau (in diesem Falle seines Vorgesetzten) mißbrauchte, wurde er mit dem Entzug seines Vermögens bestraft. Die zweite Sage geht sogar auf die Unterhaltungspflicht der Burgwarte ein und läßt Beschädigungen daran ebenfalls mit dem Verlust von Wirtschaftsgütern bestrafen. Sie ist etwas jünger als die erste und stammt aus der Zeit des beginnenden Verfalles des alten Reichsrittertumes, denn sonst wäre die Mahnung des grauhaarigen Hirten nicht nötig gewesen. So wird heute noch uraltes Weistum des Volkes weitergegeben. Auch unter dem veränderten Gewand ist der Sinn noch zu erkennen.

Der Burghügel steht seit vielen Jahren nicht mehr , aber auch das Teuchernsche Rittergut ist seitdem auseinandergefallen und der Besitz zerstreut worden.

Geschichtlich scheint über den Hügel nichts überliefert und bekannt zu sein. Die Vermutung , der Hügel sei eine heidnische Kultstätte gewesen ist nicht zu beweisen. Im Burghügel ist trotz der Sagen immer wieder gegraben wurden. Wahrscheinlich vermutete man doch einen Schatz oder zumindest einige Goldstücke zu finden. So fand im Jahre 1897 der Apotheker Heinrici aus Halle „Steinpackungen , Aschereste und Glasscherben“. Das bisher zum Rittergut Teuchern gehörende Gelände mit dem Hügel wurde Anfang der 30er Jahre an den Landwirt Otto Hellriegel aus Gröben verkauft. Hellriegel beabsichtigte den Hügel einzuebnen , um das Gelände als Ackerboden zu benutzen. Er war wegen der auf dem Lande liegenden Steuern gezwungen , dieses Gelände nutzbar zu verwerten. Der Burghügel hatte zu dieser Zeit schon viel von seiner hervorragenden Wirkung im Gelände eingebüßt durch die sich herannähernde Schutthalde der benachbarten Grube „Neu –Gröben“. Man versuchte immer wieder die Abtragung des Burghügels zu verhindern. So schrieb der Amtsvorsteher Jaur aus Gröben folgenden Brief an den Provinzialkonservator der Provinz Sachsen , Herrn Dr. Giesau.

Gröben , den 10.2.1932   Betr. Burghügel Flur Teuchern.

Der sogenannte Burghügel in Flur Teuchern , bisher dem Rittergut Teuchern gehörig , soll verkauft und von dem neuen Besitzer eingeebnet und zu Ackerland umgewandelt werden.

Als militärischer Punkt kommt der Burghügel nicht mehr in Frage , da die danebenliegende Baggerkippe fast 3 mal so hoch angeschüttet worden ist. Auf meine Anfrage bei der staatlichen Stelle für Naturdenkmalspflege in Preußen , Berlin-Sch. ist mir mitgeteilt worden , dass dem Burghügel in Flur Teuchern wohl in erster Linie kulturgeschichtliche Bedeutung zukommt. Von einer Bedeutung als Naturdenkmal ist dort nichts bekannt.

Die bezeichnete Stelle in Berlin verweißt mich wegen etwa bestehender Schutzbestimmungen an Sie und bitte ich um gefl. Mitteilung , ob dortseits Bedenken gegen die Einebnung des „Burghügels“ bestehen. Bemerken will ich noch , dass grundbuchamtliche Eintragungen über den Burghügel nicht vorhanden sind.

Der Amtsvorsteher als Ortspolizeibehörde gez. Jaur.

Eine Abtragung des Hügels konnte dadurch nicht verhindert werden , doch wurde er vermessen und es wurden Fotos gemacht um dieses Denkmal wenigstens archivarisch festzuhalten. Außerdem wurde das Abtragen beaufsichtigt.

Bei dem von Süden her von dem Landwirt Hellriegel eingetriebenen Einschnitt in den Hügel , der bis zum Plateau führt , zeigten sich unter der Plateauoberschicht Bruchstücke von Backsteinen und Mörtelstücke. Wenn diese Reste nicht etwa von dem Jagdhaus stammen , welches 1830 auf dem Hügel gestanden haben soll , so ist zunächst anzunehmen , das dort in früherer Zeit ein Bau , etwa ein Wachturm gestanden hat. Vielleicht in Verbindung mit der Burg in Teuchern. Das dortige Gelände mit seinen Ausblick ist für eine derartige Beobachtungsstelle bestens geeignet. Die Annahme also , dass hier ein mittelalterlicher Wachturm stand , hat viel für sich , für eine vorangegangene alte Anlage aber liegt bisher leider kein Anhaltspunkt vor.