1.Teucherner Brunnenfest im Jahre 2001


"Man soll die Feste feiern, wie sie fallen", heißt ein altes deutsches Sprichwort. Die Einwohner von Teuchern halten sich daran und nutzen jede Gelegenheit, in ihrer Kleinstadt etwas auf die Beine zu stellen, sei es das Sängerfest im Mai oder das Parkfest Ende August. Gefeiert wird erst recht, wenn Teuchern Geburtstag hat. Und das war am Wochenende der Fall. 1025 Jahre wurde die Kleinstadt. Sie wurde am 1. August 976 in einer Urkunde von Kaiser Otto II. erstmals erwähnt. Das Dokument liegt heute im Domstiftsarchiv Naumburg. Eine große Fotografie davon konnten die Besucher der Feierstunde in der Kirche Sankt Georg am Freitagabend bewundern. Hierher hatten der Heimatverein, das Kirchspiel Teuchern und die Stadt eingeladen, um dem Jubiläum einen feierlichen Rahmen zu geben.



Der Einladung gefolgt waren auch Bundestags- und Landtagsabgeordnete aus dem Wahlkreis, der Landrat und Vertreter des Teucherner Stadtrates. Musikalisch umrahmt wurde der Festakt durch Dragan Karolic (Bass) und Bernhard Prokein (Cembalo). Sie spielten Opernarien von Reinhard Keiser, der in Teuchern geboren wurde und als Komponist international große Beachtung fand. Geredet wurde während des Festaktes natürlich auch. Bürgermeister Lothar Gieler, der Heimatvereinsvorsitzende Eckardt Böttcher und Pfarrer Klaus Bretschneider erinnerten unter anderem an die Entwicklung der Kleinstadt. Viel gewürdigt wurden die Leistungen der Teucherner in der jüngsten Vergangenheit. Doch Pfarrer Klaus Bretschneider hatte auch mahnende Worte. Die Größe einer Stadt stehe und falle damit, "ob sie auch für die Kleinen und Geringen in ihr ein Herz und einen Blick haben." Bretschneider meinte damit vor allem die Kinder und alten Menschen, Arbeitslose oder Mitbürger mit Lebens- und Existenzängsten. Man brauche offene Menschen, die vertrauensvoll miteinander umgehen. Überrascht wurde der Pfarrer vom Vorsitzenden des Heimatvereines. Eckardt Böttcher übergab Klaus Bretschneider eine Chronik, die die Erneuerung der Kirchturmkugel dokumentiert.



Der fröhliche Teil der 1025-Jahr-Feier schloss sich am Sonnabend mit dem Brunnenfest auf dem Marktplatz an. Viele Einwohner und deren Gäste zog es hierher, um gemeinsam zu feiern. Zwischendurch allerdings mussten sie einen "dramatischen" Zwischenfall erleben. Bürgermeister Lothar Gieler wurde von aufgebrachten Bürgern über den Marktplatz gezerrt und dem Henker übergeben. Doch ehe das Teucherner Stadtoberhaupt hingerichtet wurde, gab ihm der ehrwürdige Heimatvereinsvorsitzende die Gelegenheit, sich freizukaufen. Diese Chance ließ sich Gieler nicht entgehen. "So sei es", rief er bittend und spendete den Teuchernern ein Fass Freibier. Deshalb durfte er seinen Kopf oben behalten. Es ging mittelalterlich zu rund um den Marktbrunnen. Familie Wuttig aus Teuchern, die ihre Freizeit ohnehin dieser Zeit verschrieben hat, präsentierte alte Waffen aus der Zeit. Die kleine Sarah Wuttig ließ ihre Verehrer gegen den Drachen kämpfen. Antje Ritter aus Teuchern bot Pflanzen und Drechsel-Waren an. Wolfgang Lehmann aus Weißenfels zeigte den Fest-Besuchern, wie man früher Scheren und Säbel scharf machte. Und Vater Klaus-Peter Lehmann sorgte in Teucherns Innenstadt mit dem Drehorgelspiel für Stimmung. Gleiches gelang den Redwoods aus Hohenmölsen, die auf der Bühne ihr Bestes gaben. Und der Gröbener Malzirkel präsentierte Arbeiten, die während der zehn Jahre seines Bestehens entstanden sind. Viele Besucher des Brunnenfestes trugen mittelalterliche Kleidung und farbenfrohe Trachten. Ingeborg und Siegfried Klemp aus Stade, die zu Besuch bei Verwandten waren, trugen ihre Heimattracht von 1877 bzw. 1904.


2.Teucherner Brunnenfest im Jahre 2002


Am 3.August fand in Teuchern auf dem Markt das 2. Brunnenfest unter dem Motto "5 Jahre Heimatverein" statt.

Nicht mittelalterliches Markttreiben, sondern eine Mode-Metropole sorgte zum diesjährigen Teucherner Brunnenfest für Aufregung.

Der  Heimatverein, hatte mit einem attraktiven Tombola-Hauptgewinn das Interesse vieler Einwohner geweckt. Die Vereinsmitglieder verlosten im Rahmen des Festes eine Reise für zwei Personen in die Stadt der Haute Couture: Paris. Mit 2 500 Losen waren die Organisatoren am Freitagabend an den Start gegangen. Bereits Sonnabendmittag wechselte das letzte Glück verheißende Zettelchen den Besitzer.



Doch die potenziellen Kurzurlauber mussten sich in Geduld üben, da die Glücksfee den Gewinner erst am Nachmittag ermitteln sollte. Während der eine oder andere Brunnenfest-Besucher in Gedanken den Reisekoffer packte, griff die Band "Redwoods" aus Hohenmölsen erst einmal in die Saiten. Ablenkung versprach die Ausstellung des Gröbener Malzirkels. Nervenberuhigend wirkte wohl auch der Freibieranstich. "Wir freuen uns über die hohe Resonanz", sagte Manfred Gießler vom Heimatverein. Denn: Trotz Einschulungsfeiern und hohen Temperaturen amüsierten sich viele Gäste am Wasserspiel. Anlässlich der 1025-Jahrfeier hatte der Heimatverein das Brunnenfest 2001 aus der Taufe gehoben. "Wir möchten somit die Innenstadt beleben", erklärte Gießler. Vitalisieren wird zweifelsfrei auch der Urlaubstrip in die Stadt der Liebe. Auf Louvre und Eifelturm dürfen sich übrigens Monika König aus Teuchern und ihr Ehemann freuen. "Das Paar war sprachlos als es von seinem Glück erfuhr", berichtete der Vorsitzende des Heimatvereins Eckardt Böttcher nach der Verlosung.


Aus organisatorischen Gründen gab es in den darauf folgenden Jahren kein Brunnenfest mehr.